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Liebe, Sex und blaues Blut

Eleanor Herman findet die Mätressen der Könige viel spannender als ihre Ehefrauen. Ihnen hat sie ihr erstes Sachbuch gewidmet – und sich dabei königlich ins Bild gesetzt.

Cordelia Borchardt, Unterhaltungs-Chefin bei S. Fischer, wäre beinahe in einen tiefen Hofknicks gesunken, als ihr vor einem Jahr auf dem Flur des Frankfurter Verlagsgebäudes eine Dame in prachtvollen Renaissance-Gewand mit einer kleinen Krone auf dem kunstvoll hochgesteckten Haar und einem dicken, ledergebundenen Folianten unter dem Arm entgegengerauscht kam.

Die kostbar gekleidete Dame mit Namen Eleanor Herman strebte direkt in das Büro von Karin Herber-Schlapp, im Verlag verantwortlich für das populäre Sachbuch. In den Folianten hatte sie das Manuskript für ihr Buch “Im Bett mit dem Knig” eingelegt, eine Geschichte der königlichen Mätressen.

Angesichts solchen Prunks griff Fischer schnell zu – schneller als alle englischsprachigen Verlage. Deshalb erscheint das Buch im März zuerst in deutscher Übersetzung bei Krüger, bevor es im Juli in den USA veröffentlicht wird (bei William Morrow).

Die Amerikanerin Herman trägt im bürgerlichen Leben eher selten Samtgewänder, bis zum Beginn der Arbeit an ihrem Sachbuch-Debüt hat sie als Journalistin gearbeitet, unter anderem in Bonn. Blaublütige europäische Geschichte fasziniert sie, seit ihr Vater ihr als kleines Mädchen erzählte, dass ihre Familie einem alten Adelsgeschlecht entstammte. Hermann begann im vergangenen Jahr mit Nachforschungen – und konnte tatsächlich ihre Ahnenreihe in ungebrochener Linie 42 Generationen bis zu Kaiser Karl dem Grossen zurückverfolgen. Seither darf sie sich Eleanor Stauffen Herman nennen.

Ehefrauen sind langweiliger als Mätressen.

Einmal mit den Lebensgeschichten europäischer Adeliger befasst, stellte sie bald fest, dass es nicht die Frauen der Kaiser und Könige waren, die sie interessierten – sondern deren Mätressen. Sie waren diejenigen, die den Majestäten auch emotional nahe kommen konnten, während die Ehefrauen meist nur aus politischem Kalkül geheiratet wurden. Aus pragmatischen Gründen entschied sich Herman, keinen Roman aus diesem Stoff zu schreiben: “Ich hatte gehört, dass es einfacher ist, Non-Fiction zu verkaufen.”

Sie machte sich kundig, was Vorgänger auf ihrem Themengebiet geleistet hatte und stellte fest, dass noch niemand die wirklich zentralen Fragen über die Mätressen der Welt beantwortet hatte: “Waren sie alle schön? Wie viel Geld verdienten sie? Haben die Königinnen sie gehasst? Was geschah mit ihnen, wenn sie alt wurden?”

Wenn das Buch ein Erfolg wird, will Hermann sich vielleicht ein Schlösschen mit Gobelins an den Wänden und Kerzen in den Treppenaufgängen kaufen, sagt sie augenzwinkernd. Ihrem Mann, einem “konservativen Management-Berater in ewig grauen Anzügen” hat sie bereits ein Samtkostüm mit Bändern und Pumphosen gekauft – “aber er weigert sich, es zu tragen; ich glaube, er hält mich für wunderlich.”

Derweil sitzt sie schon an einem zweitem Buch: Es handelt –ausgleichende Gerechtigkeit – von den Liebhabern der Königinnen.

Brit München, muenchen@buchreport.de