Amazon.de Rezension von Barbara
Wegmann Ein pikantes
Thema Das Buch hat von allem
etwas: spannend wie ein Krimi, viele Details und Hintergründe,
wie es sich für ein gutes Sachbuch gehört, intimste Einblicke
in Intrigen, Komplotte und tiefste Geschichte, einfach ideal für
einen historischen Bestseller!. “Wenn
Prostitution das älteste Gewerbe der Welt ist, dann ist die hohe
Kunst, eine Mätresse zu sein, das zweitälteste.” Ein
durchaus pikantes Thema, das sich die Journalistin und freie Autorin
ausgesucht hat. Aber Hut ab: das Thema, ohnehin schon attraktiv, wurde
brillant, gallant und charmant aufbereitet, zeugt von enormen Recherche-Spass
und begabtem Spürsinn, untem dem Mörtel der Geschichte alte
Sittengemälde freizulegen. Ein
Spiel mit der Macht
“Sinn und Zweck einer Verbindung zwischen Königshäusern
war weder das Glück der Ehegatten noch ein erfülltes Sexualleben”,
ein guter Boden also für aussereheliche, alles andere als heimliche,
königliche Allianzen. Beleuchtet wird das Thema mit unzähligen
Geschichten und Anekdoten von allen Seiten. “Man stiftet leichter
Frieden in Europa als zwischen zwei Frauen,” so Ludwig XIV.
Und in der Tat: Mätressen und angetraute Frauen der Könige,
Freundschaften entstanden hier sicher nicht. Es wurde vergiftet, ertränkt,
erstochen was das Zeug hielt. Rache und Eifersucht beherrschten den
Spielablauf um die Gunst des mächtigsten Mannes. “Macht
ist seit jeher ein äusserst wirksames Aphrodisiakum.”
Eine gesicherte Allianz
Aber Mätressen, oft ehrgeizig und machtbesessen, hatten auch
nicht selten politischen Einfluss, Minister “kooperierten”
mit ihnen, “Posten und Pöstchen” wurden verteilt,
königliche Entscheidungen beeinflusst. Mätressen, die sich
“ihre Macht mit Sex erkauft hatten,… schmierten auf diese
Weise das Getriebe des Staates.” Madame de Pompadour, die Mätresse
Ludwig XV., ist wohl das berühmteste Beispiel, wenngleich sie
auch in späteren Jahren, nur noch Ludwigs enge Vertraute war.
Kinder aus den ausserehelichen Verbindungen waren sozusagen rentensichernd,
denn eine “grosszügige Unterstützung” war den
Frauen lebenslang sicher. “Kein Wunder, dass es an den europäischen
Höfen vor Bastarden nur so wimmelte.” Und die waren in
der Regel hübscher, klüger und gesunder als die ehelich
gezeugten Kinder, weil “der pflichtgemass vollzogene Geschlechtsakt
zwischen nahen Verwandten oft eine weitere genetisch beeinträchtigte
Generation hervorbrachte…” Eine
Liste bekannter Namen
Quer durch alle europäischen Königshäuser geht Eleanor
Herman sachkundig und ausgesprochen unterhaltend auf Spurensuche durch
die Jahrhunderte. Üppiges Quellenmaterial macht das Thema schillernd
und perspektivreich. Klare Sache: Geschichten und Geheimnisse rund
um königliche Betten, sie sind nicht nur das Erfolgsrezept unzähliger
Illustrierten, sie geben auch diesem Buch seinen royalen Reiz. Einem
Buch, das viele bekannte Namen birgt: Lola Montez, die Mätresse
von Ludwig I., Nell Gwyn, die Geliebte König Charles II, Katharina
Schratt, die Mätresse von Kaiser Franz Josef von Österreich-Ungarn,
Sisi, seine Frau hatte die beiden zusammengebracht. Und letzlich,
nach langer und mit vielen Beispielern gesegneter Reise durch die
Geschichte ist eines klar: Mätressen, sagt die Autorin, wird
es simmer geben, wenngleich ihnen bei Fehlverhalten auch nicht mehr
die Guillotine, Gift, Folter oder Kerker drohen. Das Leben einer Camilla
Parker-Bowles ist schon ein anderes heute. |