|
|
 |
5 Immer auf dem Sprung
Der Preis des Erfolgs Continued
from page 2 Einige Adelige
äußerten sich wenigstens aufrichtig über ihre Unaufrichtigkeit.
Einer von ihnen schrieb: »Das ist ein Land, in dem die Freuden
sichtbar, aber falsch sind, und die Sorgen verborgen, aber echt.«5
Und ein Versailles-Besucher notierte: »Ein wahrhaftes Gefühl
ist so selten, dass ich, wenn ich Versailles verlassen habe, manchmal
auf der Straße stehen bleibe, um einem Hund zuzusehen, der an
einem Knochen nagt.«6 Schwarze
Magie Keine Mätresse
ging in der Verteidigung ihrer Stellung gegen Konkurrentinnen ähnlich
rücksichtslos vor wie Athénaïs de Mon-tespan. Sie
war ebenso atemberaubend schön wie boshaft und hinterhältig,
und sie verfolgte mehrere Jahre lang das Ziel, Louise de La Vallière
zu verdrängen, die damalige maîtresse en titre Lud-wigs
XIV. Aber der König beachtete Madame de Montespans Avancen kaum.
»Sie gibt sich größte Mühe«, sagt er zu
seinem Bruder, »aber ich bin nicht interessiert.«7 1667
suchte Madame de Montespan eine Giftmischerin auf, weil sie hoffte,
auf diese Weise an ihr Ziel zu gelangen.
Diese Frau hieß La Voisin und war 35 Jahre alt, sah aber viel
älter aus. Sie lebte am Rande von Paris in einem düsteren
und baufälligen Haus inmitten eines großen, verwilderten
Gartens. In weite, mit mystischen Symbolen bestickte Gewänder
gehüllt, boten La Voisin und ihre Kolleginnen verschiedene Dienste
an: Neben magischen Ritualen lasen sie aus der Hand, legten Karten,
erstellten Horoskope, redeten in Zungen und hielten Séancen
ab – natürlich für ansehnliche Honorare.
Zu den eher harmlosen Angeboten zählten neben Cremes zur Hautverschönerung
auch Zaubersprüche, die die Brust vergrößern und die
Schenkel straffen sollten. Zur dunkleren Seite ihres Gewerbes zählten
Abtreibungen, Voodoo-Séancen, bei denen sie Nadeln in Puppen
trieben, um einen Feind aus dem Weg zu räumen und zu töten,
die Beschaffung von Gift zur Beseitigung unliebsamer Ehemänner
sowie das Feiern schwarzer Messen, bei denen sie aus dem Blut toter
Säuglinge Zaubertränke zubereiteten.
Die Karossen der Schönen und Reichen hielten vor diesem Haus,
die Kundinnen konkurrierten um La Voisins Gunst und boten ihr reiche
Belohnung. Aber Madame de Montespan wollte weder einen schöneren
Busen noch ansehnlichere Schenkel. Sie wollte, dass der König
Louise verließ und sich in sie verliebte. |
| Wenn Sie mehr lesen möchten, klicken Sie bitte auf diesen Link. |
| Page <
1 | 2 | 3 |
| |
|
 |