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5 Immer auf dem Sprung
Der Preis des Erfolgs


Das Herz eines Fürsten ist Angriffen ausgesetzt wie eine Festung.
Ludwig XIV.


Während die Königin in ihrer Position nahezu unangreifbar war, war die der Mätresse weitaus fragiler. Daher kannte sie weder Rast noch Ruhe. Eine frisch gebackene Mätresse konnte sich nicht, nachdem sie den Hauptgewinn eingestrichen hatte, zurücklehnen und die Annehmlichkeiten ihrer neuen Position genießen. Sie konnte nicht mit Genugtuung durch ihre wunderbare Suite wandeln oder mit zufriedenem Lächeln ihre wunderbaren Juwelen betrachten – jedenfalls nicht, wenn dergleichen ihre Wachsamkeit auch nur eine Sekunde beeinträchtigte.

»Jede Frau wird mit dem Ziel geboren, die Favoritin des Königs zu werden«, schrieb Primo Visconti, der als italienischer Botschafter am Hofe Ludwigs XIV. lebte, vom Hofadel aber auch als Wahr-sager geschätzt wurde.1 Hunderte, ja Tausende von Frauen machten sich Hoffnungen auf diese Position, wofür sie die gegenwärtige maîtresse en titre ebenso verdrängen mussten, wie diese es mit ihrer Vorgängerin getan hatte. Auf der erreichten Stufe zu bleiben, kostete meist weitaus mehr Mühe, als sie zu bekommen. Das Ganze glich einem Marathon, dessen Ziellinie sich ständig veränderte.

Um ihr Terrain zu verteidigen, musste eine Mätresse stets ein wachsames Auge auf alle schönen Frauen bei Hofe haben, die sich um die Aufmerksamkeit des Königs bemühten. Huren, Kammerzofen und andere Frauen von niederem Stand konnten sich keine Hoffnungen auf die begehrte Position der königlichen Mätresse machen, sie stellten folglich keine Gefahr dar. Gelegentliche Seitensprünge mit ihnen mochten schmerzen, doch eine offizielle Geliebte musste immer so tun, als sei es unter ihrer Würde, dergleichen überhaupt zu bemerken. Manche Mätressen führten dem König sogar solche Frauen zu, um seine Aufmerksamkeit von der wirklichen Gefahr durch attraktive Aristokratinnen abzulenken.


Doch sobald es einer lächelnden Gräfin gelungen war, sich in den engeren Kreis um den König einzuschmeicheln, rief die Mätresse ihre Truppen an ihre Seite. Sie hatte bei Hofe zahllose Freunde und großzügig entlohnte Diener, die dem König vertraulich zuflüsterten, die fragliche Dame habe eine Geschlechtskrankheit, eine habgierige Familie, lasse es an Verschwiegenheit fehlen. Dadurch sank das Interesse des Königs an ihr meist rapide.

Die Bemühungen einer Mätresse, ihre Feindinnen aus dem Feld zu schlagen, mussten zum überwiegenden Teil hinter dem Rücken des Königs stattfinden, denn sie konnte es sich nicht leisten, auf das Niveau einer eifersüchtigen, zänkischen Ehefrau herabzusinken. Die hatte der Monarch bereits, und die konnte er nicht loswerden. Einer eifersüchtigen und zänkischen Mätresse hingegen konnte er sich mit einer Handbewegung entledigen.
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